"Man ist doppelt reich, wenn man seine Zeit anderen Menschen schenkt."

Anna Weß aus Erfurt

#generationgrenzenlos

Anna Weß (28) aus Erfurt

Für Anna ist Helfen mehr als ein Beruf. Ihre Leidenschaft gilt der Unterstützung Hilfsbedürftiger. Und denen, die damit anderen Menschen Zeit und Freude schenken. Dass das nicht selbstverständlich ist, will sie mit ihrem Engagement zeigen.

Bereits zu Schulzeiten konnte Anna nicht wegsehen, wenn um sie herum Ungerechtigkeit passierte. Wurde jemand körperlich angegangen, gemobbt oder ausgeschlossen, konnte er sich auf Annas Beistand und Hilfe verlassen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Immer noch hilft Anna aus Leidenschaft. Aber mittlerweile hat sie ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Als Teil der Geschäftsführung der Malteser in Erfurt koordiniert und unterstützt sie Haupt- und Ehrenamtliche. Beispielsweise im Fahrdienst, Hausnotruf, im Bereich der Hospizarbeit, des Demenzentlastungsdienstes, der Malteser Jugend und vielem mehr. Unter anderem initiierte sie den „Herzenswunsch-Krankenwagen“. Dort helfen Ehrenamtliche, die sich bereits bei den Maltesern etwa im Sanitätsdienst oder der Hospizarbeit engagieren, sowie neu gewonnenen Ehrenamtliche zusammen und erfüllen Menschen an ihrem Lebensende einen letzten Wunsch, wie etwa einen letzten Besuch eines Fußballspiels des Lieblingsvereins oder einen Zoobesuch.

Ehrenamt macht reich

Die Resonanz aus Freude und Dankbarkeit, die ihr dabei entgegenschlägt, erinnert sie immer wieder daran, warum sie ihren Job macht. Oft, erzählt sie, können Angehörige und Betroffene gar nicht fassen, dass es Menschen gibt, die ihnen ganz ohne Gegenleistung helfen wollen. Sie sei unfassbar stolz auf alle Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit dafür nutzen, anderen Menschen Zeit zu schenken. Dass dieses schenken von Zeit einen unheimlich reich machen kann, das ist für Anna das Wichtigste, was es zur Stärkung des Ehrenamts zu vermitteln gilt.

Helfen muss sichtbar sein!

Das in die Welt zu tragen, hat sich Anna zur Aufgabe gemacht. Denn dass es oft nicht genug Freiwillige gibt, liege nicht an mangelndem Engagement, sondern eher an den Strukturen, an denen viele verzweifeln und aufgeben. Anna findet, dass es eine bessere Begleitung des Ehrenamts brauche, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Und darüber hinaus auch eine höhere Sichtbarkeit des Ehrenamts. Denn das, was die vielen Helferinnen und Helfer tagtäglich leisten, soll nicht unsichtbar sein. Auch wenn diese nicht aus Eigennutz helfen, soll ihre Arbeit nicht für selbstverständlich genommen werden.

Den Ungehörten eine Stimme geben

Auch zu Studienzeiten war Anna stets engagiert. Warum ist z.B. das Fach Jura viel höher angesehen als die Sozialarbeit? Warum werden Menschen, die beruflich anderen helfen, selbst ausgebeutet? Als Teil einer Gruppe von kritischen Sozialpädagoginnen und -pädagogen wies sie auf Missstände innerhalb der Sozialarbeit hin, stellte kritische Fragen und entwickelte Perspektiven für die Zukunft.  Der kritische Geist ist Anna erhalten geblieben. Von der Schule über die Studienzeit bis heute – noch immer setzt sie sich für die Hilfsbedürftigen ein, die sonst in unserer Gesellschaft zu wenig gehört werden, die ausgeschlossen oder von Unrecht betroffen sind. Diesen eine Stimme zu geben und ihnen die helfende Hand anzubieten, das sieht Anna als ihre Verantwortung.

Kurzinterview

Wie setzt du dich für diejenigen ein, die sonst wenig gehört werden?

Menschen eine Stimme zu verleihen, die in unserer Gesellschaft sonst aus unterschiedlichen Gründen wenig bis nicht gehört werden – sei es etwa durch den ungleichen Zugang zu Bildung, durch eine physische oder psychische Einschränkung oder Erkrankung oder erlebte Chancenungleichheit beispielsweise durch Herkunft – ist mir eine Herzensangelegenheit. Hier hinzuhören und Zugänge zu ermöglichen, wie es beispielsweise unser Fahrdienst zeigt, durch den Teilhabe am Leben in Gesellschaft möglich wird, oder unser Hausnotruf, der es älteren Mitbürgern ermöglicht länger selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden zu leben, erfüllt mich. Auch in der Jugendarbeit können wir Menschen begleiten zu wachsen und im Zuge von Freizeiten und Gruppenstunden, bei erlebten Schwierigkeiten und Problemen in der Herkunftsfamilie und Lebenswelt, Hilfestellung geben und Ratgeber sein. Den Menschen in den Mittelpunkt rücken, hinhören, ihn mit seiner Lebensgeschichte anzunehmen und ihm beispielsweise im Zuge einer Herzenswunsch-Fahrt einen letzten Wunsch zu erfüllen – das sind die Momente die mein Leben bereichern. Mir war es schon immer ein Anliegen einen Beruf zu ergreifen, der mehr als ein Job ist und der mich erfüllt. Nicht zuletzt deswegen habe ich Soziale Arbeit studiert.

Stößt du in der Arbeit auf Grenzen? Wenn ja, wie könnten diese gesprengt werden?

Wie alle Hilfsorganisationen sind wir für unseren Dienst am Nächsten, etwa in der Hospizarbeit und der Arbeit mit demenziell veränderten Menschen auf Spenden und Förderer angewiesen. Diese finanziellen Mittel brauchen wir vor allem, um durch die Einstellung hauptamtlicher Mitarbeiter und durch das Angebot von Schulungen einen professionellen Rahmen zu schaffen, damit unsere ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in ihrer Tätigkeit nicht überfordert werden und eine festen Ansprechpartner haben. Ich denke wir als Malteser sind in vielen Bereichen schon nah an den Themen unserer Zeit und für diejenigen da, die uns anvertraut sind. Manchmal würde ich mir allerdings wünschen, dass die Etablierung neuer Angebote und das Fortführen bestehender wichtiger Projekte nicht immer so deutlich von der Finanzierung abhängig wäre. Ich bin überzeugt, dass unser Sozialsystem eines der besten Systeme unserer Zeit ist. Dennoch werden die sozialen Berufe immer noch nicht ausreichend gewürdigt – meist setzt erst ein Perspektivenwechsel ein, wenn man selbst betroffen ist. Es wäre schön, wenn in unserer Gesellschaft wieder mehr das Miteinander und Füreinander in den Vordergrund treten würde.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Gerade in unserer heutigen schnelllebigen Zeit, in der Individualität, Digitalisierung und „höher, schneller weiter“ im Berufsleben einen immer größeren Stellewert haben:  Besinnt euch auf das, was euch wichtig ist, auf die Menschen, die euch begleiten und (unter)stützen – und schaut, was ein einfaches Lächeln bei einem fremden Gegenüber bewirken kann. Seid hilfsbereit, couragiert und aufmerksam und werft einen Blick über den Tellerrand der heute oft geforderten Erfolgsorientierung. Das ehrenamtliche Engagement für Menschen, was beispielsweise lediglich ein paar Stunden geschenkte Zeit für einen einsamen Menschen bedeutet, kann einen – oder wird ganz konkret dich mehr erfüllen als 100 Likes auf Instagram.

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Instagram: https://www.instagram.com/malteserdeutschland/?hl=de

Webseite: https://www.malteser.de/aware.html

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