"Wir können viel von alten Menschen lernen. Insbesondere über Gemeinschaft und Solidarität."

Charlotte Kaiser aus Berlin

@charlotte_kaiser, #generationgrenzenlos

Charlotte Kaiser (25) aus Berlin

Charlotte setzt sich für generationenübergreifenden Austausch ein. Im Zentrum ihres Engagements steht, einander zuzuhören und voneinander zu lernen.

Charlottes Engagement begann als studentischer Buchclub an der Uni Mannheim. Doch bereits von Anfang an war ihr und ihrer Partnerin Annabel klar, dass der Buchclub neben der Förderung von Interesse an Literatur in der Gesellschaft, auch eine soziale Komponente haben sollte, die Gemeinschaft und Verständnis vermittelt. Heute versteht sich Literat Mannheim e.V. als generationenübergreifender Buchclub – für Senioren und Studierende.

Voneinander lernen

Die Motivation Charlottes basiert auf ihrem engen Verhältnis zu ihren Großeltern und dem Gefühl, der Gesellschaft gerne etwas zurückzugeben. Oft fragte sie sich, warum ältere Menschen marginalisiert, überhört und vergessen werden, wenn ihre Lebenserfahrung doch einen so reichhaltigen Schatz in sich birgt? Sie ist sich sicher, dass wir viel von älteren Menschen lernen können, insbesondere über Gemeinschaft und Solidarität – Werte, so sagt Charlotte, die in unserer heutigen Gesellschaft an Bedeutung verlieren. Das generationenbegrenzte Denken, das bei älteren wie jungen Menschen dominant ist, will Charlotte mit ihrem Engagement überwinden. Schimpfen über die jeweils andere Generation bringe nichts. Von einem Dialog hingegen profitieren alle. Denn sowohl junge Menschen können von dem Erfahrungsschatz Älterer lernen als auch ältere Menschen von den frischen Ideen junger Menschen.

Literat heute und zukünftige Ideen

Seit 2020 gibt es nun eine Literat-Kooperation in Berlin: mit dem Seniorentreff „Schlange“ in Friedenau. Durch Corona wurde das Format zur Flexibilität gezwungen. Charlotte und die Mitglieder von Literat veröffentlichen jeden Monat eine Buchrezension in der Seniorenzeitung, die während der Corona-Auflagen zu den Senioren nach Hause gesandt wird. Während dieser Zeit wurde Charlotte nochmals deutlich, dass ihre Arbeit aktuell nur eine begrenzte, schon vorher selektiere Gruppe an Senioren erreicht: jene, die in Seniorentreffs gehen und daher bereits relativ gut sozial integriert sind. Schon im Frühjahr hatte Charlotte gemeinsam mit Freunden an einem Uni-Projekt gearbeitet, das Altersarmut und soziale Isolation im Alter thematisierte. 18 Prozent der Senioren (über 65 Jahren) in Deutschland sind von Altersarmut betroffen, doch bewirbt sich nur ein Bruchteil für die Grundsicherung, auf die ein Anspruch bestünde – so lag der Anteil der Nichtinanspruchnahme 2007 beispielsweise bei 68 Prozent. Charlottes Arbeit als Werkstudentin im Büro des CDU-Abgeordneten Kai Whittaker, der unter anderem Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales ist, hat sie zusätzlich inspiriert. In naher Zukunft möchte sie gemeinsam mit ihrer Freundin Alexa weiter an diesem Thema arbeiten, um auch diejenigen Senioren zu erreichen, die gerade jetzt zusätzlich besonders einsam sind.

Gegen jedes Klischee

Darüber hinaus ist Charlotte erfolgreich als Model tätig. Ihre Bilder erscheinen regelmäßig in renommierten Zeitschriften, wie zum Beispiel der „Cosmopolitan“. Dabei räumt sie mit dem leider noch immer gängigen Geschlechterklischee auf, dass Frauen keine Ahnung von Technik hätten. Ihr Studium spricht eine andere Sprache. Als exzellente Studentin der Hertie School brennt sie besonders für Themen der Digitalisierung, wie Data Science, digitale Transformation und Cybersecurity.

Kein Mensch soll auf der Strecke bleiben!

Für Charlotte liegt der Fokus auf Dialog als Instrument gegen das Vergessen und Überhören von Menschen. Dass ältere Menschen oft ausgeschlossen werden, schade unserer Demokratie, denn: „In einer freien Gesellschaft sollten alle gleichgestellt sein und allen zugehört werden“, sagt Charlotte. Das bedeutet auch eine generationenübergreifende Chancengerechtigkeit. Und die beginnt mit dem Zuhören.

Kurzinterview

Was inspiriert dich? Hast du Vorbilder?

Mich inspiriert vor allem Begeisterung und Herzblut. Wenn Menschen für etwas wirklich brennen. Meine Vorbilder sind vor allem die Frauen in meinem Leben, die mit viel Mut, Disziplin und Leidenschaft ihren Träumen nachgehen. Das sind zum Beispiel meine Freundinnen und meine Mama, die sich nach mehr als 25 Jahren im Angestelltenverhältnis selbstständig gemacht hat, um ihrer Passion nachzugehen und nun ein erfolgreiches kleines Unternehmen führt.

Und natürlich Karlie Kloss, da sie mit ihrem Format „Kode with Klossy“ junge Mädchen ermutigt eine MINT-Karriere einzuschlagen (und nebenbei Model ist).

Wie ist der aktuelle Stand bei Literat? Hat sich eure Arbeit durch Corona verändert?

Da unsere Kooperation von den Treffen mit den Senioren lebt, hat sich unsere Arbeit sehr verändert. In Mannheim wurden unsere stehenden Termine daher abgesagt und in Berlin sollten wir gerade mit Literat starten, als der Seniorentreff geschlossen wurde. Dieser hat dann angefangen die sogenannte „Schlangenpost“, eine kleine Zeitung, voll mit verschiedenen Beiträgen, an die Senioren zu senden, sodass sie sich wenigstens etwas miteinander verbunden fühlen. Auch Literat konnte hier seit Beginn jeden Monat eine neue Buchrezension beisteuern, die immer ein anderes Mitglied geschrieben hat. So können sich die Senioren schonmal drauf freuen, wenn wir uns wieder alle zusammen treffen können. Ebenfalls haben wir kleine Hoffnungsbriefe versandt, an Senioren, die laut des Seniorentreffs gerne etwas Post bekämen und oftmals besonders einsam waren.

Was möchtest du jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Erstens: Habe Mut! Junge Menschen haben oft tolle Ideen für ein Engagement, aber trauen sich selbst zu wenig zu. Es ist so wichtig, dass sie es unbedingt probieren, denn Begeisterung ist oft ansteckend. Ich habe nach dem ersten Jahr Literat, als Annabel und ich aus Mannheim weggezogen sind auch gedacht, „Na wer soll den Verein überhaupt weiterführen wollen?“ - und siehe da, es gab einen neuen Vorstand und Literat lief ohne uns in Mannheim weiter. Weil auch andere an die Idee glauben. Zweitens: Manchmal sind es genau die Dinge, die man nicht messen kann, die die größte Freude bringen. Unsere Leistungsgesellschaft denkt in messbaren oder monetären Aspekten, aber oft sind es genau die anderen Dinge, wie das Grinsen einer Seniorin, wenn sie als einzige das Buch grottenschlecht fand, an die man sich am Ende wirklich erinnert.

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