„Jedes Kind hat Talente, die es zu entdecken und zu fördern gilt.“

Erdal Tekin aus München, Bildquelle: Gentrit Fazlija

@therealediserdem, #generationgrenzenlos

Erdal Tekin (24) aus München

Erdal setzt sich dafür ein, die Grenze zwischen Herkunft und Bildung zu sprengen und jedem Menschen den gleichen Zugang zu Bildungsressourcen zu ermöglichen.

Chancengerechtigkeit für alle Kinder. Dieser Vision hat sich Erdal ganz und gar verschrieben. Seine eigene Bildungsgeschichte hat ihm gezeigt, dass die Entwicklung von Kindern immer noch zu sehr von sozioökonomischen Faktoren abhängen. Oft belasten wirtschaftliche und soziale Sorgen den Bildungsweg. Darüber hinaus, sei immer noch eine große Herausforderung im Deutschen Bildungssystem, dass alle die gleichen Chancen bekommen, meint Erdal. Vor diesem und seinem eigenen Hintergrund engagiert er sich im Vorstand des Aelius Förderwerks dafür, dass alle Kinder in Deutschland faire Bildungschancen erhalten. Darüber hinaus macht sich Erdal für mehr Umwelt und Klimaschutz stark. Er studiert Maschinenwesen mit Schwerpunkt auf Energietechnik und gestaltet interaktive Workshops zu Nachhaltigkeit im Alltag.

„Mit meinem Engagement möchte ich die Grundlagen dafür schaffen, dass Kinder, unabhängig irgendwelcher Grenzen, ihr Potential entfalten können.“ Konkrete Umsetzung findet Erdals Engagement im Aelius Förderwerk, wo er das Förderprogramm aus Workshops und Seminaren thematisch konzipiert und organisiert. Darin werden Perspektiven und Wege aufgezeigt, wie es nach dem Schulabschluss weiter gehen könnte und auch dazu ermutigt, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen. Hinzu kommt ein Mentoringprogramm, dass Persönlichkeiten aus Wissenschaft Wirtschaft und Politik vermittelt sowie ein Beratungsangebot zu Themen wie Studium oder Auslandsaufenthalt. Erdal möchte mit seinem Engagement junge Menschen darin unterstützen, ihre Talente und Potentiale zu erkennen und umzusetzen. Er ermutigt sie dazu, entgegen aller Hindernisse, ihren eigenen Weg zu gehen.

Ein Kraftakt: Hindernisse im Bildungssystem überwinden

„Das deutsche Bildungssystem ist nicht auf Support ausgelegt,“ findet Erdal. Wie sehr der Mangel an Chancengerechtigkeit Kindern schon früh Grenzen setzt, kann er aus eigener Erfahrung bestätigen. Er kommt aus sozio-ökonomisch schwierigen Verhältnissen. Als so genannte Gastarbeiter aus der Türkei hatten seine Eltern viele Hürden zu überwinden. In seiner Schulzeit hat Erdal schnell begriffen, dass ihm als Kind mit Migrationshintergrund nicht dieselben Türen offenstehen, wie dem Großteil seiner Mitschüler und Mitschülerinnen. Er wurde von Lehrern stigmatisiert und diskriminiert und von Schülern gemobbt.

Ihm wurde immer wieder vermittelt, dass er es nie zu etwas bringen wird, allein aufgrund seiner Herkunft. Aus Selbstzweifeln wuchs die Motivation sich selbst und anderen zu helfen: Er lernte Tag und Nacht, um seine Schulnoten zu verbessern. Er solidarisierte sich mit den wenigen türkischstämmigen Mitschülern, die dieselben Erfahrungen gemacht hatten und gegenseitig unterstützten sie sich beim Erreichen des Schulabschlusses. Manche erreichten es, andere gaben auf, weil ihnen der Druck von außen zu groß wurde. Aber Erdal schaffte es und legte ein sehr gutes Abitur ab.

Talente und Potentiale von Kindern sehen und fördern

„Jedes Kind hat Talente, die es zu entdecken und die es zu fördern gilt. Und wenn wir dieses Talent nicht nutzen, verschwenden wir enormes Potential für die gesamte Gemeinschaft.“  Erdal ist überzeugt, dass mehr Chancengerechtigkeit die Basis für eine gute Gesellschaft ist. Er persönlich konnte sich mit einem Stipendium den Traum vom Studieren erfüllen und ein Auslandssemester in Singapur verbringen. Dass es auch anders gehen kann, sah er hier: Ein Staat mit unzähligen Ethnien und Sprachen und trotzdem leben die Menschen friedlich und respektvoll miteinander. Diese Erfahrung inspirierte in dazu, sich für die Idee einer diversen Gesellschaft in Deutschland einzusetzen und die Grenzen des Bildungssystems zu überwinden. Er sagt, dass er selbst gerne jemanden gehabt hätte, der ihm das Gymnasium zutraut, vieles wäre dann leichter gewesen. Durch sein Engagement ist Erdal heute derjenige, der Kindern Mut macht, ihnen Wege aufzeigt und sie bis zum Ziel begleitet – so, dass mehr von ihnen dort ankommen, wo sie gerne sein möchten.

Kurzinterview

Was motiviert und inspiriert deine tägliche Arbeit? Welches Feedback bekommst du von den Schülern und Schülerinnen?

Einerseits ermutigt mich der Austausch mit den Schülern und Schülerinnen, die mit verschiedenen Sorgen, Wünschen und Anliegen an uns herantreten. Sie haben unterschiedliche Unsicherheiten, die sie beschäftigen. Ihnen zuzuhören, von ihren Leidenschaften zu lernen und ihnen Ansprechpersonen für ihre Anliegen bereitzustellen, gibt mir Energie. Es gibt so viele Möglichkeiten für z. B. die Praktikasuche, die Finanzierung eines Studiums, eines Auslandsaufenthalts oder weiterbildende Angebote, doch vielen fehlt oftmals das Selbstverständnis dafür oder die Kenntnis davon, sich um solche Chancen zu bemühen. Andererseits kann ich mich glücklich schätzen, in einem Team von jungen, offenen und kreativen Menschen umgeben zu sein. Das ermöglicht uns ständig neue Formate, wie ein Podcast zum Thema Bildung, zu erproben. Von den Schülern und Schülerinnen bekommen wir meist positive Rückmeldung. Sie freuen sich, in einer sicheren Umgebung neue Erfahrungen machen zu können und sich auszuprobieren.

Stößt du in deinem Engagement an Grenzen? Wie überwindest du sie?

In meinem Engagement stoße ich vor allem an unserem Bildungssystem an Grenzen. Es ist träge und oftmals nicht offen für neue Ansätze. Das gestaltet die Vermittlung des Angebots oftmals schwierig. Dabei möchte das Förderwerk nur Unterstützung für eine überbelastete Institution anbieten. Auch in der Landschaft an Bildungsangeboten herrscht ab und an ein konkurrierendes Denken. In beiden Fällen hilft nur der Dialog. Wir setzen uns hoffentlich alle für dasselbe Ziel ein. Und wenn wir wollen, dass die Gesellschaft in allen Lebensbereichen von allen Schichten fair repräsentiert wird, müssen wir die Grundlage dafür an dem Ort legen, in dem die nächste Generation sozialisiert wird: in der Schule.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Die Generationen um unsere Eltern und Großeltern haben gearbeitet, um zu überleben. Auf ihr Fundament sind wir stolz. Doch unser Anspruch muss es sein, eigene Ziele zu setzen und unsere Ideale zu verfolgen. Doch dafür brauchen wir in diesem Land faire Bildungschancen. Daher sage dir jeden Morgen, ich habe einen Traum und dieses Ziel werde ich erreichen. Die Welt steht mir offen. Denn wenn du anfängst an dich zu glauben, werden es andere irgendwann auch tun.

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