"Ich wünsche mir, dass Outing irgendwann kein Thema mehr ist."

Eva Apfl aus München, Bildquelle: lost & found photography

@eva_apfl, #generationgrenzenlos

Eva Apfl (26) aus München

Aktives Mitglied der LGBTIQ-Community und Kandidatin für den Münchener Stadtrat – Eva lebt Vielfalt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Was ist weiblich, was ist männlich? Eva Apfl räumt mit den stereotypisierten Geschlechtervorstellungen unserer Gesellschaft auf und kämpft für die Akzeptanz und Rechte der Lesbian Gay Bisexual Trans* Inter und Queer – kurz LGBTIQ – Community. Dabei liegt es Eva besonders am Herzen, das Facettenreichtum einer diversen, vielfältigen Gesellschaft sichtbar zu machen.

Zusammenhalten, Trost spenden und füreinander da sein

Eva wuchs in einem Dorf in Niederbayern auf, wo sie sich bereits früh ehrenamtlichen im Schulsanitätsdienst, als Jugendleiterin und bei der freiwilligen Feuerwehr engagierte. Als junge Frau zog sie schließlich nach München und outete sich im Alter von 22 Jahren als lesbisch. Dieser Schritt war nicht leicht, mit inneren Kämpfen verbunden und kostete Eva viel Kraft und Mut. Mittlerweile ist Eva ehrenamtliche Mitarbeiterin in der LesBiSchwule und Trans* Jugendorganisation „diversity München“ – einer Jugendorganisation für junge Menschen aus der LGBTQ-Community. Solche „Schutzräume“, wie das diversity, waren für Eva, in ihrer prägenden Phase der Selbstfindung und des Coming-Out, wichtige Zufluchtsorte. Wenn sie von Diskriminierung betroffen war, nutzte sie den Austausch mit Freunden im Jugendzentrum als „Empowerment“ und baute sich so wieder auf. Umso mehr wertschätzt sie die besondere Position des Vereins und seiner Bedeutung für junge Community-Mitglieder.

„Es ist noch nicht heile Welt und „Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern man muss halt echt noch was bewegen.“

Eva erlebt tagtäglich, wie vielfältig Menschen sind und dass Jede*r von uns ein eigenes Päckchen zu tragen hat. Irgendwann erkannte sie deutliche Trennlinien, die zwischen der LGBTIQ-Community und der heterosexuellen Mehrheits-Gesellschaft verlaufen: Hier Berührungsängste und Vorurteile abzubauen, das hat sich Eva als Ziel gesteckt. Das „Diversity Cafe" unweit des Jugendzentrums lädt deshalb jeden Mittwoch auch Menschen ein, die nicht zur LGBTIQ-Community gehören, um Gespräche und Austausch in entspannter Atmosphäre zu ermöglichen und sich kennenzulernen. Hier sind alle willkommen, egal ob lesbisch, schwul, bi- oder hetero.

„Ich finde es auch super wichtig, dass man Menschen, die nicht LGBTIQ sind, einlädt in die Szene.“

Sich nicht von der Außenwelt abzuschotten, sondern die Welt einzuladen, eine gemeinsame Realität zu leben, das ist ein zentrales Thema von Eva und „diversity München“. Dass dabei ein Bewusstsein für die vielen verschiedenen Sexualitäten, die es neben der Homo- und Heterosexualität noch gibt, entsteht, ist ein wichtiger Schritt für mehr Akzeptanz. „Es ist auch schon besser geworden. Man kann besser darüber [sexuelle Orientierung, geschlechtliche Identität] sprechen… Aber es passieren halt immer noch Dinge, die einfach nicht gehen“, sagt Eva.

Kandidatin für den Münchener Stadtrat

Neben ihrer beruflichen Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, kandidiert Eva außerdem für den Münchener Stadtrat, um auch auf politischer Ebene Einfluss zu nehmen. Sie engagiert sich dort im Besonderen für die LGBTIQ-Community und mehr Sichtbarkeit von Diversität im politischen Raum. Eva wünscht sich, dass der Münchener Stadtrat stärker zu einem Spiegelbild der Gesellschaft wird, in der auch Mitglieder der LGBTQ-Community gehört werden und aktiv an Entscheidungsprozessen beteiligt sind.

Vielfältig unterwegs

Eva weiß, wie es ist, sich mit Problemen allein zu fühlen. Sie weiß aber auch, dass es andere Menschen gibt, die ähnliche schweren Zeiten durchmachen. Gegenseitiges Verstehen, Stärken und Unterstützen sind in schwierigen Zeiten wichtige Stützen. Eva und ihr Engagement sind #divers und #grenzenlos.

Kurzinterview

Was sind aus deiner Sicht die 3 wichtigsten Dinge, die sich in unserer Gesellschaft ändern sollten?

Wir müssen einander zuhören und aufeinander achten. Ich finde einen sensiblen Umgang miteinander sehr wichtig und kann in manch einer Krise echt viel Gutes bewirken. Wir müssen als Gesellschaft zusammenhalten. Das wir das können, sehen wir gerade jetzt in Zeiten von Corona. Egal ob es dabei um die LGBTIQ-COMMUNITY, Familie oder Freundschaften geht. Zusammen sind wir stärker.

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus?

Neben meiner Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten versuche ich meine verschiedenen Ehrenämter unter einen Hut zu bekommen. Sei es bei diversity, dem Gay-Outdoor-Club oder der Parteiarbeit. Das gestaltet sich in der Praxis manchmal etwas chaotisch, aber bisher hab ich das ganz gut hinbekommen. Ich kann einfach nicht ohne Ehrenamt. Das wäre sonst einfach nicht ich. Das Ehrenamt ist mein Leben und meine Luft zum Atmen.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

So klischeehaft wie es klingt: Du bist gut so, wie du bist! Viele unterschätzen ihre eigene Power. Das möchte ich ändern und anderen helfen ihre eigene Kraft wieder zu entdecken.

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