„Die Idee war, den Kindern aus der Region eine Vision zu geben, ihnen zu zeigen, was das Leben wertvoll macht.“

Hanna Vichel aus Grammetin

@xhannix11, #generationgrenzenlos

 

Hanna (25) aus Grammentin, Mecklenburg-Vorpommern

Power On e.V. ermöglicht Kindern einen Raum zum Erkunden, Willkommen sein, Wachsen und Träumen

Hanna Vichel ermutigt Kinder und Jugendliche dazu, sich individuell zu entfalten und setzt sich damit für mehr Chancen-Gerechtigkeit ein. Gemeinsam mit Freunden engagiert sie sich in den Camps des Power On e.V., die jeden Sommer in ihrer Heimat in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 180 junge Menschen anziehen. Mit ihrem vielseitigen Engagement eröffnet sie vielen Kindern und Jugendlichen neue Perspektiven und setzt den Abwanderungs-Tendenzen von der ländlichen Region in die Großstädte einen wichtigen Beitrag entgegen. 

Ihr Ziel: Kindern und Jugendlichen vermitteln, das sie wertvoll sind und was ihr Leben lebenswert macht

Das 2014 von Hannas Freundeskreis gegründete christliche Kindercamp „Power On“ bietet Kindern und Jugendlichen aus Mecklenburg-Vorpommern die Möglichkeit, ihre Persönlichkeiten spielerisch und künstlerisch zu entfalten und ihre Heimat mit anderen Augen zu betrachten. Durch authentisches Vorleben werden die jungen Teilnehmenden dazu empowert, ihre Ressourcen und vielfältigen Stärken zu nutzen, ihren Träumen nachzujagen und somit diese Welt nachhaltig zu verändern. Die Camps schaffen dabei Begegnungsräume für junge Menschen verschiedenster sozialer Hintergründe und setzen so ein starkes Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis.
Hanna weiß, dass die Lebensläufe der Menschen in der ehemaligen DDR von vielen Einschränkungen geprägt waren. Die eigenen Träume zu verwirklichen blieb vielen Menschen in dieser Zeit verwehrt. Umso stärker fällt ihr auf, dass „gerade die Jugend das Träumen eigentlich neu erlernen möchte, aber oft nicht weiß wie, da oft die Vorbilder, der Mut dazu etwas zu starten oder der Glaube an einen selbst fehlen.“
Aus dieser Situation heraus entstand die Idee, Power On ins Leben zu rufen und damit Kindern aus ihrer Region eine Vision zu geben. Werte wie Naturnähe, Nachhaltigkeit, „glokales Denken“, aber vor allem die christliche Nächstenliebe vorzuleben und zu vermitteln, ist ihr ein großes Anliegen. 
„Man geht eine wirklich intensive Phase ihres Lebens mit den Kindern mit.“
Die Begeisterung der Kinder, die zu Beginn der Sommercamps in langen Schlangen zur Anmeldung stehen und es kaum erwarten können, das es los geht, sind jedes Jahr ein wahres Highlight für sie und man kann inzwischen schon sagen, eigentlich für das ganze Dorf. Hanna sprüht vor Glaube, Liebe und Hoffnung und hat es als großes Ziel, diese in die Welt hinauszutragen.
Alleinstellungsmerkmal in der Region: Ihr vielfältiges soziales Engagement und ihr gelebter, christlicher Glaube 
Hanna stammt aus einer (ev.) christlichen Familie, die ihren Glauben offen lebt und sich schon immer stark in ihrer Gemeinde engagiert hat. Nach Hannas Erzählungen eher eine Besonderheit in ostdeutschen Dörfern wie Grammentin. „Nach Jahren erzählte mir jemand aus dem Dorf, dass viele unsere Familie jahrelang nur als ‚die Heiligen‘ bezeichnete. Wir fielen einfach immer etwas aus dem Raster - egal ob zu Halloween, am Sonntag oder mit unseren „verrückten“, sozialen Aktionen.“
Durch ihre starke familiäre Prägung und ihren Glauben an die Nächstenliebe und Gerechtigkeit, engagierte sich Hanna schon früh in ihrer Schule als Klassensprecherin, in der Gemeinde, wo sie Kindertreffs oder Weihnachts-Musicals veranstaltete und in ihrer Kirchgemeinde, wo sie die Jugendgruppe oder Jugendgottesdienste leitete. Später arbeitete sie während ihres Studiums in einer Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtung und einem Kinder- und Jugendhaus in der Region und brachte sich vor allem ehrenamtlich viel im Power On e.V. ein.
Als zeitweise einzige Christin an ihrer Schule, war sie in ihrer Jugend einigen Grenzerfahrungen, wie Anfeindungen von Lehrern ausgesetzt, was sie schließlich in ihrem Glaubensleben ins (ver)zweifeln brachte. Diese Erfahrungen festigten jedoch letztendlich ihren Glauben, den sie heute bewusst lebt. Hanna glaubt, dass Zweifeln zum Leben und Glauben dazu gehören und diese Grenzerfahrungen ihr dabei geholfen haben, ihre eigenen Grenzen besser kennenzulernen und damit sich selber.

Grenzen überwinden, Horizonte erweitern

Hanna studierte schließlich soziale Arbeit und psychosoziale Beratung, um ihre wertvollen Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen auch beruflich fortzusetzen.
Sie leitet außerdem das internationale Jugend-Austauschprojekt „MeLanga“ zwischen Mecklenburg- Vorpommern und Mpumalanga, Südafrika. Ihr Ziel ist es dabei, kulturellen Austausch über Kontinents-Grenzen hinweg zu schaffen und das Wissen über- und Verständnis füreinander zu ermöglichen. Das Projekt läuft im Rahmen der Agenda 2030 und verfolgt das SDG (Ziel für nachhaltige Entwicklung) 2: Kein Hunger und Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion. Seit Dezember ist Hanna bereits in Südafrika, wo sie mit dem Projektpartner die Rückbegegnung des Austauschs im Sommer plant und langfristig in der ländlichen Region Mpumalangas ein Waisenhaus aufbauen möchte. „Es war schon immer mein Traum, solch kleinen, hilflosen, ungewollten und wortwörtlich ausgesetzten Kindern eine Heimat, Wert, Liebe und eine Stimme zu geben!“
Hanna denkt den ländlichen Raum neu und schafft eine Vision für die Zukunft. Indem sie Kindern zeigt, dass sie wertvoll sind und man eigene Träume verwirklichen kann, ermöglicht sie, dass sich Potenziale im ländlichen Raum (neu) entfalten können. Weil sie jungen Menschen das Träumen zeigt, sie ermutigt und dazu motiviert, ihre Zukunft selbst zu gestalten gehört Hanna zur #GenerationGrenzenlos. 

Kurzinterview

Hanna, was treibt dich an bei deinem Engagement?

Das ist eine schwierige Frage, da sich meine Motivation von Tag zu Tag schon mal verändern kann... :) Aber grundlegend habe ich einfach einen festen Glauben an jeden Menschen, sehe schnell sein Potential und seine Alleinstellungsmerkmale und bin begeistert davon. Ich möchte der Person helfen, sein Potential auszuschöpfen, an sich zu glauben und sich zu entfalten! 
Es gibt so einen schönen Vers in der Bibel: „Glaube, Liebe Hoffnung, diese drei bleiben, aber die Liebe ist die wichtigste unter ihnen.“ Als Kind durfte ich alle drei erleben. Meine Eltern haben mir so viel Wertschätzung, Liebe und Fürsorge gegeben, dass ich schnell das Gefühl hatte, dass es ungerecht wäre, all das für mich zu behalten, wo es mich doch nichts kostet, dies weiterzugeben, da ich doch sowieso so viel davon habe…
Wenn ich ein kleines Kind sehe, geht mir einfach das Herz auf! Für mich sind Kinder ein wahrer Schatz! Egal, ob in Südafrika oder eben bei den Power On Kindercamps - ich verspüre einfach den Drang in mir drin, ihnen zu zeigen, wie wertvoll, einzigartig und gewollt sie sind. Meiner Meinung nach ist das das Grundrezept für Glück und Erfolg für Mensch und Umwelt… Interessanterweise ist ja bereits bewiesen, dass nicht nur im Nehmen (geliebt, bewahrt, gelobt, bestärkt und betuddelt werden) sondern auch im Geben Glückshormone ausgeschüttet werden! Es bereichert mich also auch enorm, mich zu engagieren und mich für Kinder einzusetzen.
Vor allem glaube ich aber, dass meine persönliche Beziehung zu Jesus mir den meisten Antrieb gibt. Von Religion oder irgendwelchen vorgefertigten Gebeten oder kirchlichen Traditionen halte ich nicht viel - mir geht es vielmehr darum, wer Gott wirklich ist und dass er mich so liebevoll gemacht hat. Davon bin ich zumindest überzeugt. Jesus selber gibt mir totale Inspiration - er ist einfach die liebevollste Person, die ich kenne und er gibt mir die Identität, den Antrieb, die Liebe und die Wertschätzung, die ich brauche und kein Mensch mir bisher geben konnte. Er gibt mir das Gefühl wahrlich eine Königstochter zu sein - und das sehe ich in jedem Menschen: ein wertvolles, einzigartiges Geschöpf Gottes, das er unendlich liebt, in dem er super viel Talent und Potential sieht und für das er alles gegeben hat. Naja… und wenn er, warum dann nicht auch ich?! Wenn er alle Grenzen gesprengt hat, warum sollte ich dann „in Grenzen“ denken und leben? Das ist meine Überzeugung und Erfahrung - ich weiß, für den Durchschnittsdeutschen klingt das wohl ziemlich geistesabwesend, aber für mich ist es der größte Schatz im Leben! 

Welche Ziele hast du für die Zukunft? Was willst du in Zukunft erreichen?

Ich glaube, vieles habe ich ja schon gesagt - allgemein möchte Menschen helfen, ihr Potential zu sehen, sie fördern und fordern, ihre Ressourcen auszuschöpfen, ihre Stärken zu nutzen, ihre Träume umsetzen zu können und diese Welt Stück für Stück zu einer besseren zu machen…
Konkret brennt es mir momentan unter den Nägeln, mit dem Aufbau eines Waisenhauses in Mpumalanga, Südafrika zu beginnen. Ich träume von einer autarken Farm, auf der meine Familie gemeinsam mit den Waisenkindern lebt. Auf der sich die Kinder zu Hause und geliebt fühlen, auf der sie lernen, wie man sich selbst nachhaltig versorgen kann und wo sie einen sicheren Rahmen in kleinen familiären Strukturen haben, in ihrer Persönlichkeit, im Miteinander und ihren Fähigkeiten wachsen zu können.
Außerdem sehe ich mich als eine Art Advokatin für unsere Kleinkinder, die noch keine Stimme haben. Ich habe mich in meinem Studium viel mit frühkindlicher Entwicklung und Erziehungsberatung beschäftigt und habe eine echte Leidenschaft darin entwickelt, mehr auf die Bedürfnisse unserer Kleinsten hinzuweisen. Kaum jemand weiß wirklich etwas über die psychologischen und biologischen Hintergründe und Zusammenhänge der Entwicklung. Ich liebe es, z.B. in Seminaren an Unis und Elternkursen in diese relevanten Themen Einblicke zu geben und damit den Menschen aufzuzeigen, wie einflussreich unser Handeln auf unsere kommende Generation wirklich ist. 
Ich sehe einfach jeden Tag, wie viele Menschen doch immer noch mit Problemen oder Erfahrungen zu kämpfen haben, die aus der Kleinstkindheit stammen. Irgendwo ist ja jeder betroffen, da jeder von uns einmal Kind war. Obwohl „Elternsein“ oder Erziehung wohl mit zu den komplexesten Aufgaben unserer Gesellschaft gehört, ist es mit der einzigen Job, wofür es keine Qualifikation, keine Ausbildung oder verpflichtende Trainings gibt. Dabei halten Eltern doch das Schicksal unserer zukünftigen Gesellschaft in den Händen. Irgendwie alles etwas paradox, wie ich finde, wenn man sich ansieht, welchen Stellenwert „Mutter/Vater sein“, Erziehung oder das gesamte Bildungssystem in unserer Gesellschaft oder Politik haben…
Durch das Studium ist mir die Tragweite der ganzen Thematik erst richtig bewusst geworden. Seither ist es mir das Thema ein großes Anliegen geworden, das ich zukünftig gerne weiterhin im Rahmen von Seminaren oder Fortbildungen mit Menschen teilen möchte.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

1. Dass sie wundervoll, einzigartig, wertvoll, geliebt und gewollt sind, egal, ob sie selber, ihre Klassenkameraden oder ihre Eltern das genauso sehen oder nicht.
2. Dass jeder Mensch in irgendeiner Art und Weise hochbegabt ist.
3. Dass es sich lohnt, seine Träume zu jagen und an das Gute im Leben und der Welt zu glauben und dafür zu kämpfen!


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