„Es ist wichtig, sich für Minderheiten einzusetzen, weil es zu einer gut funktionierenden Demokratie dazu gehört.“

Linea Kopf aus Flensburg

@lineakopf, #generationgrenzenlos

Linea (20) aus Flensburg

Ein Leben zwischen zwei Identitäten - Linea setzt sich für die Rechte und den Schutz nationaler und ethnischer Minderheiten in Deutschland ein

Jeder Mensch soll die Möglichkeit haben, seine Sprache und Kultur zu leben. Dafür setzt sich Linea Kopf ein. Dabei hat sie als Teil der dänischen Minderheit selbst erlebt, was es bedeutet, wenn man das Gefühl hat, überall nur halb dazu zu gehören. Deshalb macht sie sich dafür stark, dass kulturelle Identität und Zugehörigkeit über Ländergrenzen hinweg bestehen können. Sie unterstützt die “Minority Safepack Initiative“, die den Schutz von Minderheiten auf die Agenda des EU-Parlaments bringen soll. Ihr Herzensthema sind deren Rechte: Sie fordert ihre Anerkennung und Wertschätzung in der Gesellschaft.

Identitätskrise und Schulbotschafterin der dänischen Minderheit 

Linea Kopf wurde am 25.11.1999 in Flensburg geboren. Ihre Familie gehört seit Generationen der dänischen Minderheit in Deutschland an. Lineas Muttersprache ist dänisch. Die deutsche Sprache lernte sie ebenfalls zu Hause, aber als zweite. Sie wuchs innerhalb der Community der dänischen Minderheit auf, d.h. sie ging in dänische Kindergärten und Schulen und machte das dänische Abitur. Während eines Internat-Aufenthalts in Dänemark, wo sie die 9. Klasse verbrachte, bekam sie eine Identitätskrise. Zum ersten Mal wurde ihr bewusst, dass sie weder richtig deutsch noch richtig dänisch ist und fragte sich, wo sie hingehöre.  

Diese Krise war schließlich der Motor dafür, sich mit dem Thema Minderheiten auseinander zu setzen. Sie beschloss, in Flensburg Schulbotschafterin der dänischen Minderheit zu werden und fand darin ihre Bestimmung. Die dänische Minderheit ging 1920 durch Neuaufteilung in die heutige Grenze zwischen Dänemark und Deutschland mit dem Ergebnis hervor, dass in beiden Ländern Minoritäten leben. Später trat sie in den Jugendverein „SdU“, der dänischen Jugendorganisationen in Südschleswig, ein, um die Jugendbeteiligung der dänischen Community zu stärken und über deren Rechte und Schutz aufzuklären. SdU steht eng im Austausch mit „YEN“, der „Youth of European Nationalities“, einer Interessenvertretung junger Angehöriger nationaler, ethnischer und sprachlicher Minderheiten. Momentan sind in der YEN 42 Mitgliedsorganisationen aus 19 Ländern vertreten. Identitäten sind nicht an Ländergrenzen gebunden 

Linea setzt sich dafür ein, sich in ihrer Minderheit wohl zu fühlen, denn das ist, wie sie sagt, keine Selbstverständlichkeit. Mittlerweile ist sie Mitglied in der dänisch-friesischen Jugendpartei „SSWU“, dessen Mutterpartei im Kieler Landtag vertreten ist. Sie hat für sich verstanden, dass ihre Identität nicht an Ländergrenzen oder an ihren Pass gebunden ist. Es ist ein Gefühl und ein Wertekompass, nach dem sie lebt und für deren Existenzberechtigung sie sich einsetzt. 

Darüber hinaus setzt sich Linea für die Rechte anderer Minoritäten in Deutschland ein, allen voran für die der Sinti und Roma. Ihr ist es wichtig, dass man den Schutz auf diese Gruppen anwendet und alle Minderheiten in ganz Europa anerkannt werden. Daher engagiert sie sich in der Minority Safepack Initiative, eine Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzt, dass dieses Thema im EU-Parlament auf die Agenda kommen.  

Linea liegt sehr am Herzen, dass Minderheiten wahr- und ernst genommen werden: "Sie sollten nicht einfach ausgeblendet, sondern als Teil unserer Gesellschaft gesehen werden. Sie sind hier und sie sind jetzt hier", meint sie. Linea hat in der Zusammenarbeit mit der eigenen Community und auch im Austausch mit den anderen Minderheiten in Deutschland ihre Angst überwunden, dass sie als junger Mensch von einer durch eine ältere Generation geprägten Gemeinschaft vielleicht nicht ernst genommen wird. Ganz im Gegenteil: Durch Austausch und Zuhören konnte sie die Erfahrung machen, "dass man gemeinsam Großes bewirken kann."

Lineas Vision: Ein Europa ohne Grenzen

Linea sagt von sich selbst, dass sie in einem Kreis groß geworden ist, aus dem man schwer wieder herauskommt. Aber sie ist stolz auf ihre Kultur und möchte, dass ihre Kinder ebenfalls in der Community der dänischen Minderheit aufwachsen. Indem Linea ihre Erfahrung teilt und sich politisch dafür einsetzt, dass alle Minderheiten besser gehört und repräsentiert werden und damit ihre Vision von einem Europa ohne Grenzen, nicht föderalistisch, sondern der Toleranz umsetzt, ist sie Teil der Generation Grenzenlos.  

Kurzinterview 

Was inspiriert dich? Hast du Vorbilder? 

Mich inspiriert die Welt von heute. Ich könnte so viele Dinge aufzählen, die ich täglich finde, die definitiv noch verbessert werden müssen. Daher nehme ich auch die Motivation täglich weiter zu machen. Meine Vorbilder sind wirklich alle anderen Menschen, die täglich ihr Bestes geben, um die Demokratie zu stärken. 

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus? 

Meine tägliche Arbeit besteht aus Meetings mit verschiedenen Tagesordnungen, die meist aus den alltäglichen Problemen und den verschiedenen Veranstaltungen der dänischen Minderheit bestehen. Ich folge aktiv den Geschehnissen in meiner Minderheit, aber auch in denen der anderen Minderheiten in Europa, um dementsprechend zu reagieren.  

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben? 

Es ist so super wichtig, dass junge Menschen für ihre Interessen einstehen, und auf ihre Rechte bestehen! Wir sind nicht nur die Zukunft, wir sind auch die Gegenwart. Wir sind JETZT hier, und es ist JETZT soweit, dass wir uns für unsere und die Rechte von anderen stark machen. 

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