"Wir diskutieren darüber, ob wir Europa brauchen, aber wir sollten darüber diskutieren, wie dieses Europa aussehen soll!“

Marie Menke aus Olsberg

@_mariemke_, #generationgrenzenlos

Marie Menke (23) aus Köln

Marie brennt für die europäische Idee. Mit dem Onlinemagazin treffpunkteuropa.de versucht sie, der Medienlandschaft eine junge, europäische Stimme zu geben.

Als Schlüsselerlebnis beschreibt Marie ihr Auslandsjahr in Spanien. Zusammen mit anderen europäischen Freiwilligen erlebte sie die Schuldenkrise vor Ort und fing an, sich über mediale Diskurse Gedanken zu machen. Während sie in Spanien Schicksale in ihrem Umfeld erlebte, wurde in den deutschen Medien davon gesprochen, dass südliche europäische Länder nicht mit Geld umgehen könnten. Dieses Fehlen einer vermittelnden Rolle durch den Journalismus hinterließ einen nachhaltigen Eindruck auf Marie – auf beiden Seiten wurde gehetzt, solidarisch auf die andere Seite geblickt wurde eher selten.

Austausch statt Populismus

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, sich in diesem Thema zu engagieren, stieß Marie auf treffpunkteuropa.de und fing an, sich als Übersetzerin zu beteiligen. Heute ist sie die Redaktionsleiterin. Bei dem Onlinemagazin der Jungen Europäischen Föderalisten geht es vor allem darum, eine junge gesamteuropäische Perspektive in den aktuellen Mediendiskurs zu bringen. Der Fokus liegt dabei auf Austausch und Verständigung – für Marie ein Gegenprogramm zu den nationalen Diskursen, die oft in den Medien dominant sind: „Freunde aus Griechenland erzählten mir, wie Medien dort berichteten, dass Deutschland ihr Land ausbluten ließe, während ich selbst mitbekommen habe, wie in Deutschland Griechen als verschwenderische Nutznießer dargestellt wurden.“ Dem will sich die Redaktion von treffpunkteuropa.de entschieden entgegenstellen. Statt Schuldzuweisungen besinnt sich die journalistische Arbeit von Marie und ihrer Redaktion auf den Austausch, die Zusammenarbeit und das gegenseitige Verständnis. So leisten sie einen aktiven Beitrag gegen die erstarkenden Populismen in Europa.

Digitale Beteiligung

Was die Arbeit bei treffpunkteuropa.de darüber hinaus auszeichnet, ist der Fokus auf digitale Beteiligung. Nicht umsonst prangt auf der Homepage ein großer „Mitmachen“-Button. Dadurch, dass die digitale Redaktion an keinen Ort gebunden ist, können sich viel mehr Menschen aus ganz Europa beteiligen, ganz egal, wo sie gerade sind. Marie selbst lacht, als sie erzählt, dass sie mehr im Zug oder der Straßenbahn Arbeit erledige, als sie es tatsächlich am Schreibtisch tue. Denn auch in der redaktionellen Gestaltung setzt Marie darauf, Brücken zu bauen, um den europäischen Austausch zu stärken. Den digitalen Austausch hält Marie dabei für essenziell, da so auch grenzübergreifende Diskussionen stattfinden können. Digitales Engagement sei extrem wichtig, denn „wie dieser digitale Raum aussieht, bestimmt total, wie wir denken“, stellt sie fest.

Keine Werbung für Europa

Was Marie aber wichtig ist: als Journalistin immer kritisch zu bleiben. Sie wolle als Redaktionsleitung keine Werbung für die Europäische Union machen. Vieles liefe gut, vieles aber fürchterlich schief, beispielsweise in der Flüchtlingspolitik oder in der Handelspolitik mit dem afrikanischen Kontinent. Für die europäische Idee jedoch kämpft Marie. Ihre Vision ist die eines grenzenlosen, solidarischen Europas, eines Europas, das sich auf Zusammenhalt und Austausch besinnt, statt auf nationale Grenzen zu setzen. Marie ist grenzenlos europäisch.

Kurzinterview

Hat die europäische Idee eine Zukunft?

Kurz gesagt: Ja! In der Langform: Zur Grundlage der europäischen Idee zählt ja zuerst einmal, europäische Länder enger aneinander zu binden, tiefgreifende Kooperation zu ermöglichen und den Frieden auf dem Kontinent zu sichern. Das ist eine Idee, die in den letzten Jahrzehnten angesichts globaler Herausforderungen an Relevanz gewonnen hat.

Vor allem ist es aber an der Zeit zu diskutieren, wie diese europäische Idee der Zukunft aussehen soll: Möchten wir ein Europa, das nachhaltiger, solidarischer oder innovativer ist? Wo setzen wir Schwerpunkte? Wie viel lassen wir uns diese Bemühungen kosten? Und sind die europäischen Institutionen eigentlich mit den nötigen Kompetenzen und Rechten ausgestattet, um unseren Anforderungen gerecht zu werden? Nur wenn wir Europapolitik verstehen, solche Fragen diskutieren und europäische Politik aktiv mitgestalten, können wir die europäische Idee mit Inhalten füllen. In dieser Debatte müssen wir nicht zuletzt bewusst Kritik zulassen – gerade an uns selbst. Das europäische Projekt gibt es inzwischen seit Jahrzehnten, aber wir haben es beispielsweise noch nicht geschafft, europaweite Medien zu etablieren. Da müssen wir uns fragen, warum so etwas bisher nicht gelungen ist.

Wie sollte mit antidemokratischen Bewegungen innerhalb der EU bspw. in Ungarn umgegangen werden?

Die EU bekennt sich ausdrücklich zu Werten, denen sich auch ihre Mitgliedsstaaten verschrieben haben - darunter Demokratie, die Würde des Menschen und Rechtsstaatlichkeit. Dass in einigen Ländern beispielsweise gegen Journalistinnen und Journalisten vorgegangen wird, die sich kritisch zur Arbeit der Regierung äußern, ist vor diesen Hintergrund inakzeptabel und erfordert entsprechende Verfahren. Spannend wird in der nächsten Zeit auch, ob weitere Sanktionen wie das Knüpfen von finanziellen Mitteln aus dem EU-Budget an das Einhalten rechtsstaatlicher Prinzipien diskutiert werden.

Notwendig ist darüber hinaus ein starker, zivilgesellschaftlicher Dialog: Die Art und Weise, wie Geschichte und Gegenwart erzählt werden, ist sehr unterschiedlich in den EU-Mitgliedsstaaten. Da braucht es Verständigung, um gerade populistischen Erzählweisen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Gerade jetzt müssen zum Beispiel Schülerinnenaustausche und Schüleraustausche, das Europäische Solidaritätskorps und digitale Sprachtandems gefördert werden - und es muss sichergestellt werden, dass Menschen aus Ländern, auf die antidemokratische Bewegungen einen starken Einfluss haben, die Möglichkeit haben, am Austausch teilzunehmen. Gerade sie dürfen nicht aus beispielsweise finanziellen Gründen davon ausgeschlossen werden. Ebenso ist es unverzichtbar für die europäische Verständigung, dass auch Länder mit starken antidemokratischen Bewegungen andersherum als Zielländer von zum Beispiel Erasmus-Studierenden gefördert werden.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Eine große Portion Mut! Ich glaube, es braucht wirklich viel Mut, um sich auf andere Sichtweisen einzulassen. Da hilft nur: miteinander reden, Fremdsprachen lernen, ein Buch aus anderen Regionen oder Ländern lesen, sich in den Zug setzen und wegfahren – und vor allem dafür sorgen, dass solche Möglichkeiten noch viel mehr jungen Menschen gerade in ihrer Schulzeit offen stehen. Und es braucht Mut, um zu diskutieren: Unsere Realität ist viel zu komplex und vielschichtig, als dass wir immer einer Meinung sein könnten. Diskutieren ist da super wichtig, um gemeinsam weiterzukommen.

Zuletzt glaube ich, dass wir alle zurecht viel mutiger an Politik herangehen könnten. Gerade so etwas wie Europapolitik ist komplex, aber sie ist viel zu wichtig, als dass wir sie anderen überlassen könnten. Vielmehr sollten wir uns gegenseitig unterstützen, um sie zu verstehen und dann unseren Stimmen Gehör zu verschaffen.

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