„Es ist vor allem für die muslimische Community wichtig, sich mit dem Thema Antisemitismus auseinanderzusetzen.“

Omeima Garci aus Hamburg

@pumeima, #generationgrenzenlos

Omeima Garci (18) aus Hamburg

Omeima setzt sich gegen Rassismus und Antisemitismus und für eine Aufklärung zur deutschen Geschichte ein, damit sich die Zeit des Nationalsozialismus niemals in ähnlicher Form wiederholt.

Als gebürtige Hamburgerin und junge Muslima mit nordafrikanischen Wurzeln hat auch Omeima schon oft Rassismus und Ausgrenzung erlebt. Ihre Erfahrungen verarbeitet sie in Artikeln für das Jugendmagazin „Funky“ und kommentiert gesellschaftliche und politische Ereignisse.

Mit ihrer Theatergruppe klärt sie ihren Stadtteil politisch auf, weist auf gesellschaftliche Missstände hin und setzt historische Geschehnisse in den Bezug zu heutigen Ereignissen. Dabei setzt sie sich insbesondere für Jüdinnen und Juden ein und trägt zur Aufklärung über den Holocaust bei.

„Ich bin nicht deutsch, weil ich keine Bockwurst mag?!“

Omeima hat schon häufig Rassismus im Alltag erleben müssen. Als ihr bei einer Veranstaltung ihr „deutsch sein“ aufgrund der Herkunft ihrer Eltern von einer Dame abgesprochen wurde, hat sie das dazu bewegt den Artikel „Ich bin nicht deutsch, weil ich keine Bockwurst mag?!“ zu schreiben. Dieser Artikel hat zwei Preise vom Hamburger Abendblatt gewonnen. Seither ist Omeima fester Bestandteil der Jugendreaktion der Funke Mediengruppe und kommentiert aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse.

Omeima ist stolz darauf, dass sie ihre Erfahrungen in etwas für sie Positives verwandeln konnte. Ihr ist aber bewusst, dass viele Menschen nicht die Möglichkeit haben, ihre negativen Erlebnisse in etwas positives zu verwandeln und dass es nicht so einfach ist, über negative Erfahrungen hinweg zu kommen.

Für sie als Hamburgerin geht es Omeima nicht um die Frage des Nationalismus oder den Nationalstolz, sie möchte einfach nur das sein, was sie für sich bestimmt zu sein, ohne dass dies von anderen hinterfragt wird.

Kunst als Medium

Omeimas Engagement im Theater fing durch einen Wahlpflicht Kurs in der Schule an. Seitdem steht sie gerne auf der Bühne und schlüpft in andere Rollen. Die Begeisterung daraus nahm sie mit und trat einer anderen Theatergruppe in ihrer Schule bei. Ihre Theatergruppe „Viel Theater um uns“ sieht Theater als „Ausgangspunkt für gesamtgesellschaftliche Partizipation“. Sie greifen aktuelle Themen zu Missständen auf und finden „Antworten im künstlerischen Sinne“.

Omeima ist davon überzeugt, dass die Schauspielerei einen lehrt, empathisch zu sein. Es sei vor allem für unsere Demokratie wichtig, sich gegenseitig in den anderen hineinzuversetzen und sich bewusst zu werden, dass wir einander brauchen. Durch das Theater möchte Omeima eine Plattform bieten sich mit einzelnen Schicksalen identifizieren zu können und einen Bezug zur Aktualität herzustellen. Für Omeima gibt es in der Kunst nicht die Frage der Herkunft. In der Kunst, weiß sie, geht es nur um die Persönlichkeit, um die Frage „Wer bist du?“. Sie selbst hat das Theater sensibilisiert und gelehrt Emotionen zu zeigen und zuzulassen.

„Why should I care?“

Ausgehend vom Holocaust-Gedenktag, dem 27.01. fing Omeimas Theatergruppe an, sich mit dem Thema des Holocaust auseinanderzusetzen und Bezüge zum eigenen Leben herzustellen. Dadurch wurde ihr klar, dass es für uns alle, aber ganz besonders für die Muslimische Community wichtig ist, sich mit Antisemitismus auseinanderzusetzen. Omeima ist der Meinung, dass Musliminnen und Muslime es am besten nachvollziehen können, wegen ihrer Religion ausgegrenzt zu werden.  Sie glaubt, dass „der Hass der gleiche ist und wir deshalb füreinander einstehen müssen“.

Mit dem Theaterprojekt „Why should I care“, welches Omeima zusammen mit Menschen aus Israel auf die Beine gestellt hat, vermittelt sie, warum es besonders für Minderheiten wichtig ist, sich für eine Aufklärung der Geschichte anderer stark zu machen und sich mit dem Thema des Antisemitismus auseinanderzusetzen. Für sie ist es wichtig zu betonen, dass Genozide die an Menschen verübt werden auch von Menschen verursacht werden und es deshalb umso wichtiger ist, dass wir alle darauf achten, dass so etwas nicht nochmal passiert.

Kurzinterview

Wie möchtest du zukünftig die Welt verändern? Was sind deine nächsten Projekte, sowohl in deinem Engagement als auch beruflich?

Ich glaube, ich möchte gar nicht ''die Welt'' verändern. Ich möchte mehrere kleine Welten verändern, sodass ein gesamtgesellschaftlicher Wandel nachhaltig möglich wird. Das ''Wie'' kann auf der einen Seite Kunst sein die Menschen politisch aufklärt, aber auch journalistische Arbeit.

Ich möchte in Zukunft mit all dem ehrenamtlichen Engagement Geld verdienen, sodass ich Hobby und Beruf vereinen kann.

Die nächsten Projekte auf theater-politischer Ebene werden sich mit der Frage ''Woher kommt der Hass?'' befassen.

Was rätst du anderen, die schonmal rassistische Erfahrungen gemacht haben, wie man damit am besten umgehen kann?

Wie man am besten mit rassistischer Erfahrung umgehen kann muss jede und jeder für sich entscheiden. Es ist wichtig in den Austausch zu gehen und mit anderen, die vielleicht ähnliche Erfahrungen gemacht haben, zu sprechen, weil man dann auch das Gefühl bekommt, nicht allein zu sein.

Dass es mehrere Menschen mit Rassismus Erfahrungen in unserer Gesellschaft gibt, ist sehr schade, aber ein Austausch ist wichtig, um gehört zu werden und andere zu hören. Rassistische Erfahrungen sind Realität vieler BiPOCs und POCs und diese Realität muss abgebildet werden - sei es medial, mit anderen oder für sich persönlich.

Das Verarbeiten hat für mich angefangen, indem ich aufgeschrieben habe, was passiert ist. Das hat es für mich einfacher gemacht zu verstehen, was vorgefallen ist.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Das richtet sich nicht an junge Menschen, sondern an alle Menschen.  Ich finde es ist wichtig gewisse moralische Prinzipien zu haben und für diese auch einzustehen. Wenn das heißt eine Freundschaft zu kündigen, dann kündigt man die Freundschaft halt.

Wir dürfen uns nicht einreden lassen, dass junge Menschen am Anfang alle eine kleine „Rebellen-Phase” hatten und, dass wir mit dem Alter „konservativer eingestellt“ sein werden.Ich für meinen Teil werde mir das Rebellische beibehalten, nicht weil ich in irgendeiner Phase stecke, sondern weil ich glaube, dass wir alle einen Teil zu einer Veränderung beitragen können.

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