"Ich möchte, dass wir als Demokraten zusammenhalten und so die Menschen auch zurückholen.“

Dennis Chiponda aus Leipzig

@bimbowhite, #generationgrenzenlos

Dennis (28) aus Leipzig

Dennis Chiponda macht sich mit „Leipzig spricht“ für seine ostdeutsche Heimat stark und kämpft gezielt gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Als Ostdeutscher mit polnisch-mosambikanischen Wurzeln, Burlesque-Tänzer und Politikstudent bricht er gesellschaftliche Denkmuster auf und wirbt für mehr Toleranz und Vielfalt.

Dennis Chiponda hat es sich zum Ziel gesetzt, die Spaltung in der Gesellschaft durch Dialog zu überwinden. Mit der Plattform „Leipzig spricht“, einem Bürgerbeteiligungsforum für plurale Meinungsbildung, bringt der Politikstudent Menschen zusammen, die vielleicht sonst nicht miteinander reden würden.

Leipzig spricht versteht sich selbst als „demokratischer Speaker's Corner“. Hier findet „Dialog auf Augenhöhe“ statt. Es soll miteinander statt übereinander gesprochen werden, so dass neue Sichtweisen zugelassen und die eigenen Perspektiven hinterfragt werden.

Dennis möchte vor allem die Grenzen in den Herzen überwinden und damit dazu beitragen, dass die Gesellschaft wieder näher zusammenrückt.

„Eine Angst, die einen verfolgt...” Dennis‘ persönlichen Erfahrungen sind eng mit seinem Engagement verknüpft

Durch seine Herkunft hat Dennis erlebt, dass „Respekt und Zugehörigkeit etwas ist, dass nicht jedem automatisch gegeben ist, vor allen Dingen nicht jemandem, der erst mal nicht so aussieht, wie die Mehrheitsgesellschaft.“ Daraus hat Dennis gelernt, dass es sich lohnt, mit anderen zu reden und damit Vorurteile und sogar Hass aufzulösen.

Dennis ist davon überzeugt, dass ein Perspektivwechsel entscheidend dazu beiträgt, Ängste und Vorurteile vor der Lebenswelt und der Geschichte anderer zu überwinden. Entscheidend sei es für die Mehrheitsgesellschaft, nachzuvollziehen, was es bedeutet in unserer Gesellschaft in Angst zu leben, sich überlegen zu müssen, welchen öffentlichen Raum man betreten kann und welchen nicht.

Der rassistische Terroranschlag am 19.Februar 2020 in Hanau, bei dem neun junge Menschen mit Migrationshintergrund von einem rechtsradikalen Attentäter erschossen wurden, war ein Wendepunkt in Dennis‘ Leben, der sein Engagement noch stärker in den Vordergrund gerückt hat. Er wünscht sich, dass „wir als Demokraten zusammenhalten und wir als Demokraten die Menschen auch zurückholen.“

Identitätssuche und ein Lebensweg, der Dennis genau dort hinführt, wo er heute ist

Ob Arbeiterkind, Ostdeutsch, homosexuell, andere Hautfarbe: „Mein ganzes Leben ist geprägt von Identitätssuche“, sagt Dennis. Diese Teile seiner Identität sind zu seiner großen Stärke geworden. Denn sie statten ihn mit einer großen Weitsicht und Empathie für das „Andere“ aus und motivieren ihn dazu, gesetzte Grenzen zu hinterfragen und Veränderungen aktiv anzugehen.

Dennis hat keinen linearen Lebensweg, bei ihm verläuft eher alles in „Schlängellinien“, dafür „verzahnt es sich am Ende wieder“, wie er sagt. Er wurde in Brandenburg als Sohn einer polnischen Friseurin und eines mosambikanisch-stämmigen Mechanikers geboren und bilingual (deutsch-polnisch) erzogen. Nach der Schule zog es ihn aus dem Ländlichen hinaus in die Welt. Durch den Druck seines konservativen Elternhauses studierte er zuerst auf Lehramt in Dresden, machte sich aber gleich auf nach Portugal, um die Muttersprache seines Vaters zu erlernen. Für ihn begann dort die Suche nach seiner Identität. Er arbeitete erfolgreich als Burlesque-Tänzer und wurde unter anderem für Shows in den Niederlanden und Großbritannien gebucht.

Als 2015 die geflüchteten Menschen nach Deutschland kamen und Pegida immer stärker wurde, begann Dennis in Dresden Sport- und Tanzkurse für Asylsuchende zu geben und entwickelte seine Kunstfigur „Bimbo White“. Er lernte, wieviel er durch den Austausch mit den Menschen in deren Köpfen bewegen kann und beschloss, politisch aktiv zu werden. Er trat in eine Partei ein und begann ein Politikstudium in Nürnberg. In Nürnberg wurde er mit einem, für ihn ganz neuen gesellschaftlichen Konstrukt konfrontiert. Seine Hautfarbe war hier egal, dafür reduzierten ihn die Menschen nun auf seine ostdeutsche Herkunft.

Das brachte ihn dazu, sein Studium in Leipzig fortzusetzen, um sich gesellschaftlich für die Menschen aus seiner Region einzusetzen und den Osten von innen heraus zu stärken. Er möchte diese Region in eine „grenzenlose Richtung“ bewegen und setzt sich dafür ein, "Ostdeutsche” differenzierter wahr zu nehmen, sich für ihre Interessen vor Ort einzusetzen und zur Verständigung beizutragen.

„Wenn ich nur ein, zwei, drei junge Menschen mit Migrationshintergrund oder Arbeiterhintergrund dazu bringen kann, sich zu engagieren, pflanzt man ja immer eine Idee fort. Und mit jeder Idee, jedem Aktionismus, kann man wieder noch mehr Samen säen, die sich ausbreiten.“

Außerdem möchte er aus seiner eigenen Biografie heraus Arbeiterkindern, BPoC Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund Mut machen und ihnen zeigen, dass sie etwas für sich erreichen und bewegen können. Denn, wenn das soziale Umfeld, die Familie oder die Gesellschaft, Grenzen in den Köpfen hat, überträgt sich das auch auf die Köpfe der Kinder und hindert sie in ihrer Entwicklung. Mangels vielfältiger Rollenvorbilder und Unterstützungsmöglichkeit in den Familien, sei es, so Dennis, umso entscheidender, dass die Gesellschaft die Aufgabe übernimmt, Kinder zu ermutigen, größer zu denken und ihr Potential zu fördern. Dies beträfe jedes Kind, dass aus einer Familie kommt, deren finanziellen und ideellen Ressourcen stark begrenzt sind.

Dennis’ Ziel ist es, das Schwarz-Weiß-Denken der Menschen abzuschaffen, die Demokratie und Debattenkultur zu stärken und jungen Menschen zu zeigen, dass sie auch mit Brüchen im Lebenslauf ihre Ziele erreichen können. Durch seinen Mut und Willen zum Dialog, auch zu Menschen mit rechtem Gedankengut, trägt er aktiv zu einem besseren, demokratischen Zusammenleben bei. Deshalb ist Dennis Teil der 30 unter 30 der Generation Grenzenlos.

Kurzinterview

Was inspiriert dich? Hast du Vorbilder?

Mein großes Vorbild ist Byard Rustin.

Er war Wegbereiter und die intellektuelle Kraft hinter Martin Luther King und beriet ihn in Belangen des gewaltfreien Widerstandes.

Aufgrund seiner Homosexualität und seiner kommunistischen Vergangenheit wurde er von afroamerikanischen Funktionären der Bürgerrechtsbewegung verdrängt. Sie befürchteten seine "Eigenarten" schadeten der Bewegung. Trotzdem kämpfte Rustin immer weiter für Menschenrechte von Schwarzen und Homosexuellen.  Zeitlebens erhielt er nie gebührend Anerkennung für seinen Kampf.

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus?

Wenn ich nicht gerade an der Uni bin oder auf der Arbeit, hetze ich eigentlich nur von einer Sitzung zur anderen. Bereite diese vor, organisiere Veranstaltungen, suche Interviewpartner und Interviewpartnerinnen, schreibe Konzepte für Kampagnen, bearbeite Social Media Material, drehe Videos, schreibe Anträge, treffe mich mit anderen Vereinen oder Parteien, interagiere mit den Bürgerinnen und Bürgern auf Demos und an Ständen und gerade organisieren wir auf unserer Facebook Seite Livestreams.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Lasst euch nie von dem abbringen wofür ihr kämpft. Niemand kann euch nehmen was ihr selbst geschaffen habt.

Aber behaltet im Hinterkopf, dass ihr in der Gemeinschaft stärker seid als alleine.

Egal welche Art von Diskriminierung ihr erfahren habt, vergesst nie, dass da auch noch andere Gruppen leiden.  Wird auch nur eine Gruppe diskriminiert, sind auch alle anderen Minderheiten in Gefahr. Wenn wir in dieser Welt was bewegen wollen, dann geht das nur gemeinsam. Denn die meisten Bewegungen haben am Ende dasselbe Ziel. Wir wollen als Mensch alle gleich behandelt werden und der Kampf hört nicht auf, wenn du dein persönliches Ziel erreicht hast, sondern wenn alle Menschen gleichbehandelt werden.

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Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung wurde 1974 von den Erben des Kaufhausinhabers Georg Karg ins Leben gerufen und ist heute eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland. Die Arbeit der Hertie-Stiftung konzentriert sich auf zwei Leitthemen: Gehirn erforschen und Demokratie stärken.

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