„Es ist besonders wichtig, dass auch die gehört werden, die im Diskurs unterrepräsentiert sind.“

Dominik Herold aus Frankfurt

@dominik__herold, #generationgrenzenlos

 

Dominik (27) aus Frankfurt am Main

Dominik engagiert sich für eine bessere Bürgerbeteiligung  

Dominik Herold kommt aus Nordbayern und lebt heute in Frankfurt. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden gründete er vor drei Jahren die Initiative „mehr als wählen e.V.“. Daraus ist der jährlich stattfindende „Frankfurter Demokratiekonvent“ hervorgegangen. Dominiks Kernbotschaft lautet: Die Menschen stehen im Zentrum der Demokratie.  

Sein Ziel: Politische Teilhabe aller Menschen  

Der “Frankfurter Demokratiekonvent” ist ein einmal jährlich stattfindender Rat für Bürgerinnen und Bürger, bei dem eine zufällig ausgewählte Gruppe unterschiedlicher Menschen politische Themen bespricht und dazu Lösungen entwickelt. Das Themenspektrum reicht von sozialem Wohnungsbau bis hin zur Klimapolitik. Der Schwerpunkt liegt dabei in der Auswahl der Teilnehmenden. 2/3 werden dabei zufällig über das Melderegister ausgelost, 1/3 der Teilnehmenden setzt sich aus politisch oft unterrepräsentierten Gruppen zusammen: Das heißt, es werden Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit geringem Bildungshintergrund, geringem Einkommen sowie Menschen mit Behinderung eingeladen, sich aktiv an der Gestaltung politischer Prozesse zu beteiligen. Indem ein große Bandbreite verschiedener Bürgerinnen und Bürger die Politik beraten, können sie auf vielfältige Weise Einfluss auf zentrale Themen der Stadt nehmen. 

So schafft Dominik mit seinen Projekten „Orte der demokratischen Selbstwirksamkeit“ und zeigt, was es heißt, sich an gesellschaftspolitischen Themen zu beteiligen und sich einzumischen.  

Demokratie lebt vom Mitgestalten und Ausprobieren  

Könnte die Welt, in die wir hineingeboren werden, auch anders aussehen? Können alle Menschen mitgestalten, wie unsere Gesellschaft aussehen soll? Mit diesen Fragen und einer Idee, wie man die Antworten gestalten könnte, entstand „mehr als wählen e.V.“: Ein demokratisches Experiment, das keine einfache Lösung und kein schnelles Ziel hat – aber viele Ideen, Konzepte und Handlungsspielräume.  

 „Was mich inspiriert, ist tatsächlich die Vorstellung, dass wir diese Welt mitgestalten können und dass es an uns liegt, sie mitzugestalten und sich auch ausprobieren zu dürfen und auch scheitern zu dürfen.“ 

Die größte Herausforderung besteht für Dominik darin, möglichst viele unterschiedliche Menschen zusammenzubringen und in politische Entscheidungsprozesse – die uns alle angehen – einzubeziehen. Denn „wenn wir Orte für Menschen öffnen, wo sie das Gefühl bekommen ‚Hey, ich bin Teil dieser Gesellschaft‘, dann glaube ich ist für die Gesamtzufriedenheit, in dem Land in dem wir leben, viel gewonnen.“ 

Er setzt seine Ideen in Projekte um  

Dominik wuchs in einer Arbeiterfamilie in einem nordbayrischen Dorf auf. Bereits mit 17 Jahren zog er von zuhause aus, um in Bayreuth sein Abitur zu machen. Ein Lehrer an seiner Schule förderte Dominik und entfachte seine anhaltende Begeisterung für philosophische Themen, mit der er später sein Philosophiestudium in München begann. Der positive Einfluss seines Lehrers inspirierte und beeinflusste seinen Werdegang nachhaltig. Aktuell schreibt er an seiner Dissertation über das Verhältnis von radikaler Demokratie und Affekten. 

Dominiks großes Anliegen ist es, so vielen Menschen wie möglich eine Stimme zu geben, mit der sie für ihre Rechte eintreten können. Seine Projekte haben Vorbildcharakter, in denen er es schafft, andere zum Mitmachen zu motivieren und damit gemeinsam viel zu Bewirken. Seine Vision von einer lebendigen Demokratie ist #grenzenlos inspirierend. 

Kurzinterview

Dominik, was treibt dich an bei deinem Engagement?  

Ob bei meinem Engagement während der Geflüchtetenversorgungskrise 2015 in München, wo ich die freiwillige Spontanhilfe koordinierte oder bei meinem Verein mehr als wählen e.V. – mir ist es wichtig, mich für eine Gesellschaft einzusetzen, in der alle Menschen gehört werden. Nicht nur die, die am lautesten brüllen. Was mich antreibt ist dabei die Vorstellung, dass Demokratie mehr sein kann, als nur zu wählen. Wir alle sind durch unsere Biografie geprägt. Ich will Menschen zeigen: Nur weil etwas früher so war, muss es nicht auch in Zukunft so sein. Dabei haben mich vor allem die Bücher von Annie Ernaux, Edouard Louis und Michel Foucault geprägt. 

Was machst du dabei genau? 

Die tägliche Arbeit bei uns ist sehr vielschichtig. Demokratische Beteiligung durchzieht ja alle Lebensbereiche und dementsprechend breit ist das Feld, das wir bearbeiten. Das zeigt sich dann in zahlreichen Teamtreffen, wo wir in der Gruppe darüber beratschlagen, wie wir unsere Formate umsetzen. Dann diskutieren wir viel, wägen ab, schreiben Konzepte und verwerfen die Hälfte davon wieder. Dann kommt viel Netzwerk- und Lobbyarbeit dazu, wo wir mit Stiftungen, Politikerinnen und Politikern oder anderen Vereinen Gespräche über Kooperationen führen. Wir halten Vorträge auf Podien oder geben Workshops und versuchen Mitstreiterinnen und Mitstreiter für unsere Idee zu begeistern. Ganz oft geht’s aber auch um ganz praktische Aufgaben: Zum Beispiel bauen wir derzeit einen Linienbus zum Bus der Demokratie um. Da fällt dann auch die ein oder andere handwerkliche Aufgabe an. Zugegeben, meine Stärken liegen dann aber eher woanders.  

Was kannst du jungen Menschen mitgeben? 

Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, wo man sich engagieren kann. Das ist einerseits sehr schön, andererseits überfordert das junge Menschen manchmal. Wo passe ich am besten hin? Wie viel bewirkt mein Engagement wirklich? Was erwarten andere von mir? Viele Fragen, die hemmen können. Meine Erfahrung ist: Probiert einfach aus. Gebt euch und eurem Engagement eine Chance. Lernt Initiativen und Vereine kennen, schaut, wo ihr euch gut aufgehoben fühlt, was euch Spaß macht und gesteht euch Zeit ein, in Aufgaben hinein zu wachsen. Und – fast noch wichtiger – verliert euren Mut nicht. Den Mut an Utopien zu glauben. Denn es ist keinesfalls etwas Schlechtes, sich eine gerechtere Gesellschaft vorzustellen und daran festzuhalten.  

 

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