„Egal ob jung oder alt, auf dem Land oder in der Stadt, jede Person hat einen extrem großen Einfluss auf ihr Umfeld.“

Karoline Jobst aus Krölpa

@karojobst, #generationgrenzenlos

Karoline Jobst (17) aus Pößneck

Karoline setzt sich für Umweltschutz und gegen Rassismus ein. Wichtig ist ihr dabei die Praxis vor Ort, egal ob durch kleine Gesten oder große Projekte. Durch den Hass, der ihr deswegen entgegenschlägt, lässt sie sich nicht bremsen. Sie entgegnet ihm in kreativer Weise.

Karoline hat sich große Themen unserer Zeit für ihr Engagement ausgesucht. Deshalb ist es ihr wichtig, diese Themen, die oft spalten und polarisieren, in die Praxis zu übersetzen. Besonders im Bereich Klimaschutz kann der Ohnmacht und der Verhärtung von Positionen, die sonst so oft bei großen Themen spürbar ist, begegnet werden. Karoline geht zum Beispiel Müll sammeln, pflanzt Bäume oder baut Insektenhotels. So kommt sie ins Gespräch, auch mit Menschen, die Klimaschutz oft ablehnen, regt zum Nachdenken an und wirbt dafür, gemeinsam an neuen Lösungen zu arbeiten.

Miteinander statt gegeneinander

Weil es wichtig ist, miteinander zu reden und voneinander zu lernen, hat Karoline ein regelmäßiges interkulturelles Treffen ins Leben gerufen. Dort kommen geflüchtete Menschen mit Menschen aus Krölpa und Pößneck ins Gespräch. Das sei wichtig, weil in der Region rechte Gesinnung und Gewalt weit verbreitet sind. Vor allem Hass gegen Geflüchtete ist hier oft zu beobachten, paradoxerweise obwohl kaum Geflüchtete in der Region leben. Mit dem Angebot zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch versucht sie dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten. Wie geprägt die Region von rechter Gewalt ist, zeigt auch, dass sich erst vor kurzem eine rechte Jugendgruppe namens „neue Hiltlerjugend“ gegründet hat, gegen deren gewalttätige rassistische und antisemitische Umtriebe sich Karoline einsetzt. Auf ihr Wirken hin hat sich mittlerweile sogar die Landesregierung eingeschaltet und nimmt sich dem Thema an, unter anderem durch die Förderung lokaler Ausstiegsinitiativen.

Gegen den Hass

In ihrem Einsatz gegen Rechts ist Karoline die Erinnerungskultur ein Herzensanliegen. Denn das, was in Deutschland aus Hass und Gewalt entstanden ist, soll nie wieder sein. Auch hier setzt sie vor allem auf lokale Praxis, die viel bewirken kann, wie zum Beispiel das Pflegen von Stolpersteinen. Wie so oft schlägt ihr dafür eine ganze Menge Hass entgegen, in ihrem Alltag in ihrer Heimat, wie auch im Internet. Um diesen Hass erträglicher und vor allem sichtbarer zu machen, organisiert sie zusammen mit verschiedenen Politikerinnen und Politikern die „Hate-Slams“, wo Hasskommentare und Drohnachrichten vor Publikum gelesen werden. Auch hier stellt Karoline Dialog und Diskussion vor Ausgrenzung und Verhärtung.

Mut zur Veränderung

Ihre Überzeugung, dass wir die Welt verändern können, wenn wir nur gemeinsam daran arbeiten, trägt Karoline stolz in die Welt. Das habe sich auch bei der Diskussionsveranstaltung gezeigt, die Karoline zusammen mit anderen in Pößneck organisiert hat. Dort trafen Windkraftgegnerinnen und  -gegner, die Windkraftlobby, der Landrat und Vertreterinnen von Fridays for Future aufeinander und näherten sich, trotz heftiger Diskussionen, aneinander an und begannen, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, miteinander statt gegeneinander.

Kurzinterview

Was hat dich zu deinen Engagements geführt?

Zum ersten Mal ehrenamtlich engagiert habe ich mich in einem Tierheim, wo ich mich um die Katzen gekümmert habe. Über dieses Ehrenamt habe ich dann auch begonnen, mich intensiv mit Tierrechtsthemen auseinanderzusetzen. Ich bin kurze Zeit später Vegetarierin geworden und der Grünen Jugend in Jena beigetreten. Das war der Beginn meines Engagements. Als ich dann vor zwei Jahren vom Internat in Jena wieder in mein Heimat-Dorf gezogen bin, wollte ich auch dort aktiv sein und mich engagieren. Den Anfang habe ich hier mit einer Klima-Demo gemacht, durch die viele junge Menschen zusammengekommen sind und sich weiterer Projekte entwickelt haben.

Gibt es etwas, von dem du sagen würdest: Das muss sich sofort ändern? Und warum?

Ich denke, dass sich das Verständnis und der Umgang mit Politik schnell ändern muss. Ich möchte, dass über aktuelle Themen miteinander diskutiert wird und in einem fairen Diskurs nach Lösungen gesucht wird und nicht ständig auf "die da oben" geschimpft wird. Wir müssen uns selbst viel mehr als Mitbestimmende verstehen und unsere demokratischen Rechte nicht nur zur Wahl ausleben. Aber auch politische Entscheidungstragende müssen mehr Menschen die Möglichkeit geben, sich einzubringen und Räume für Diskussionen schaffen, in denen jede Meinung gehört und bei Entscheidungen berücksichtigt wird. Ich denke, dass diese Veränderung nötig ist, um die Verrohung unserer Sprache und die Verhärtung der (politischen) Gegensätze rückgängig zu machen. Das ist der Grundstein für die zukünftige Entwicklung unserer Gesellschaft, der jetzt gelegt werden muss!

Hast du Pläne für die Zukunft?

Für mich geht es nach dem Sommer mit dem Studium los. Ich studiere dann Urbanistik in Weimar. Natürlich werde ich weiterhin in meiner Heimat politisch aktiv sein und habe schon einige Projekte im Kopf, die ich unbedingt realisieren will. In diesem Jahr werden wir uns hier vor allem mit Jugendarbeit und -partizipation beschäftigen. Als neue Sprecherin der Grünen Jugend Thüringen warten außerdem viele Aufgaben und Herausforderungen auf mich, vor allem mit Blick auf die nächste Landtagswahl.

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