„Es geht nicht um Schuld, sondern um die Verantwortung, Rassismus zu bekämpfen und los zu werden.“

Narku Laing aus Fürstenfeldbruck

@narkulaing, #generationgrenzenlos

Lorenz Narku Laing (28) aus Fürstenfeldbruck

Lorenz Narku Laing entgegnet Vorurteilen und strukturellem Rassismus mit seinem Sozialunternehmen Vielfaltsprojekte. Er verhilft Menschen durch Bildung zu einem diskriminierungsfreien Miteinander und setzt sich für eine Gesellschaft ohne Rassismus ein.

Lorenz Narku Laing hat sich kein geringeres Ziel gesetzt als eine Gesellschaft frei von Rassismus. Aufgewachsen als Schwarzes Kind in damals armutsbetroffenen Verhältnissen in einer ländlichen Region Rheinhessens war Narkus Lebensweg von vielen Hürden und Stolpersteinen geprägt. Daher kämpft er heute mit seinem Sozialunternehmen Vielfaltsprojekte dafür, dass Rassismus ganz aus unserer Gesellschaft verschwindet.

Narku legt strukturellen Rassismus offen, klärt auf und bildet weiter – und verändert so Sichtweisen in den Köpfen der Menschen. Vielfaltsprojekte arbeitet dabei mit allen gesellschaftlichen Zielgruppen. Denn Rassismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, davon ist Narku überzeugt. Dennoch geht es ihm nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, dass Menschen Verantwortung übernehmen und den Prozess der Veränderung annehmen.

In Workshops, Events und Vorträgen für alle Arten von Organisationen werden Strukturen von Rassismus und Diskriminierung aufgezeigt und Verständnis dafür erzeugt, wie unterbewusste Vorurteile gegenüber Minderheiten dafür sorgen, dass Menschen weniger Chancen erhalten als andere.

Rassismus ist nicht wert- oder kontextfrei!

Zugehörigkeit, Identität und Heimat sind daher für ihn bis heute große Themen. Während er mit rassistischen Anfeindungen und Diskriminierung im Alltag konfrontiert war, hatten seine Eltern existenzielle Probleme. In seiner Jugend war er verärgert über beständige Vorurteile sowie über die staatlichen Strukturen, die seinen Eltern im Hartz-IV-System zusetzten. Erst mit dem Footballspiel, das Narku professionell als Mannschaftskapitän betrieb, fand er einen Raum der Akzeptanz, den er als Schwarzes Kind aus Armutsverhältnissen im Alltag vermisste. Dies und der starke familiäre Zusammenhalt trugen ihn durch harte Zeiten.

Aus den Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend heraus, wendet er sich heute ganz entschieden gegen die Verharmlosung von Rassismus: „Immer wieder, wenn ich Menschen treffe, die mir erklären wollen, dass man rassistische Worte neutral oder wertfrei verwenden kann, sag ich ihnen: Aber in meiner ganzen Jugend waren es genau die Worte, die Menschen verwandt haben, als ich angegriffen wurde, als ich angespuckt wurde, als ich angegangen wurde. Und diese ganzen Erfahrungen helfen mir, den Menschen zu erklären, dass diese Begriffe keine neutralen Begriffe sind. Dass sie Geschichte haben, dass sie Kontext haben und dass sie für Hass verwendet werden.“

Bildung als Schlüssel gegen Menschenfeindlichkeit

Während seines Studiums lernte Narku, dass seine Rassismus-Erfahrungen nicht persönlicher, sondern struktureller Natur sind und er konnte sich lösungsorientiert mit Rassismus auseinandersetzen. „Es ist Bildung, die das Bedrohliche weniger bedrohlich aussehen lässt“, sagt er. So begann er, sich neben seinem Studium vielfältig zu engagieren. Er arbeitete als ehrenamtlicher Footballtrainer einer Jugendmannschaft, leitete Anti-Aggressionstrainings auf einer Brennpunktschule und unterstützte armutsbetroffene Akademiker und Akademikerinnen mit Migrationshintergrund beim Bewerbungsprozess für Stipendien.

Später ließ er sich zudem als Diversity-Trainer ausbilden. Narku studierte Narku studierte Politik- und Verwaltungswissenschaft, Soziologie, Philosophie und Jura und arbeitet derzeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft an der Universität München. Hier forscht er zu den Themen Diversität, Migration und Rassismus. Mit seiner Promotion über Rassismus in Deutschland ist er der erste Promovierender in seiner Familie und einer von unter einem Prozent Schwarzer Menschen in Deutschland, die promovieren.

Narku hat sich trotz seiner negativen Erfahrungen dazu entschieden, weiterhin auf dem Land zu wohnen. Er möchte sich dort engagieren, wo es viel zu verändern gibt und weniger Menschen, die es anpacken können. Sein Antrieb ist nicht zuletzt auch sein kleiner Sohn, für den er sich ein besseres Aufwachsen wünscht – in einer Gesellschaft frei von Rassismus und Diskriminierung.

Kurzinterview

Was inspiriert dich? Hast du Vorbilder?

Gute Menschen inspirieren mich. Jeden Tag treffe ich Menschen, die voller Leidenschaft und Überzeugung gegen Diskriminierung und Rassismus kämpfen. Weiterhin inspiriert mich die Utopie einer diskriminierungsfreien Gesellschaft. Ja, für mich ist Rev. Dr. Martin Luther King Jr. in seinem gewaltfreien Ansatz der Gesellschaftsveränderung ein großes Vorbild. Im Kleinen auch der Schwarze Bundestagsabgeordnete Dr. Karamba Diaby, da er vormacht, was ich für die Zukunft vorhabe.

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus?

Meine Arbeit ist sehr vielseitig. Ich schreibe an meiner Doktorarbeit, berate Führungskräfte zu Diversität, leite fast in jeder Woche eine Bildungsveranstaltung und führe mein kleines Team bei Vielfaltsprojekte. Selbstverständlich pflege ich einen engen Austausch zu anderen Menschen, die gegen Diskriminierung kämpfen und wir beraten beispielsweise über politische Kampagnen. Da ich Sozialunternehmer, Hochschullehrer und junger Familienvater bin ist definitiv ein voller und abwechslungsreicher Arbeitstag.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Wir können der Wandel sein. Mahatma Ghandi, Martin Luther King und Greta Thunberg waren alle sehr jung, als sie begonnen, sich sichtbar und laut für eine bessere Gesellschaft einzusetzen.

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