„Für viele ist es nicht alltäglich, mit Menschen mit Beeinträchtigung Kontakt zu haben. Diese Barriere möchte ich beseitigen!“

Willi Stieger aus Potsdam

#generationgrenzenlos

Willi Stieger (23) aus Potsdam

Willi ist mit Menschen mit Beeinträchtigung aufgewachsen. Das hat ihn politisiert. Heute setzt er sich für interkulturellen und inklusiven Austausch ein.

Als Willi in seiner Jugend mitbekam, in welchem Zustand die Schule seines schwerbehinderten Bruders war, war er entsetzt. Ein marodes Gebäude, in dem Rollstühle kaum durch die Türen passten. Daraufhin nahm Willi seinen ganzen Mut zusammen, ging ins Magdeburger Rathaus, schilderte dem Oberbürgermeister die Problematik und machte auf das Thema in den sozialen Netzwerken aufmerksam. Die Erfahrung, aktiv etwas in unserer Gesellschaft verändern zu können, hat ihn politisiert und sein zukünftiges Engagement geprägt.

Zwischenmenschliche Barrieren sprengen

Dabei hat Willi auch bemerkt, wie wenig alltäglichen Kontakt es zwischen Menschen mit Beeinträchtigung und Menschen ohne Beeinträchtigung in unserer Gesellschaft gibt – für ihn von Geburt an selbstverständlich. Der fehlende Kontakt führt auch dazu, dass Vorurteile entstehen, Belange von Menschen mit Beeinträchtigung seltener gehört werden und dazu, dass noch immer wenige Menschen mit Beeinträchtigung Zugang zu regulärer Schulbildung haben. Doch Inklusion ist ein Menschenrecht! Egal welches Geschlecht, welches Alter, welcher Abstammung, ob mit oder ohne Behinderungen – durch Inklusion haben alle die Möglichkeit am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Dass Inklusion gelebt und voneinander gelernt werden kann, steht für Willi außer Frage: Die Gesellschaft muss zusammenwachsen und die Welt bunter werden.

Visi kopā!

Angetrieben von dem Russischunterricht in der Schule, machte sich Willi auf, die Sprache und die Kultur besser kennenzulernen. Und das ausgerechnet im tiefsten Sibirien – in Novosibirsk. Die Erfahrung, dass interkulturelle Grenzen durch Begegnung gesprengt werden können hat Willi tief geprägt. In Moskau engagierte er sich für ein Projekt, welches sich gegen die Diskriminierung von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung in Russland und Deutschland eingesetzt hat. Seinen Freiwilligendienst absolvierte Willi in Lettland. Diese Auslandserfahrungen ließen ihn realisieren, dass für Inklusion in Osteuropa noch einiges getan werden muss. Daraufhin gründete Willi in dem Jugendzentrum, in dem er in Lettland tätig war, das Projekt „Visi kopā“. Auf Deutsch: „Alle zusammen“. Und genau darum ging es auch: Die Begegnung und den Austausch von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen zu ermöglichen. Dies geschah mit Koch- und Kulturabenden, Fußballturnieren und vielem mehr – immer gemeinsam und immer inklusiv. „Visi kopā“- gemeinsam sind wir stärker.

Barrierefreiheit für alle!

Aber auch hierzulande gebe es, so Willi, noch einiges zu tun. Das Projekt „Barrierefreiheit“ zum Beispiel, dass er als Referent des örtlichen Allgemeinen Studierendenausschusses und Mitglied des Senats der Uni Potsdam wiederbelebte, machte auf Missstände hinsichtlich der Zugänglichkeit aufmerksam. Immer noch viel zu häufig seien wichtige Orte nur schwer oder gar nicht zugänglich. Willi ist davon überzeugt, dass jeder davon profitiert, wenn Inklusion vorangetrieben wird. Auch für eine barrierefreie Wahl und ein inklusives Hochschulsportprogramm machte er sich stark. Es gibt also noch viele Barrieren zu sprengen, noch viele Grenzen zu überwinden. Diese Probleme anzugehen, dazu ist Willi fest entschlossen.

Kurzinterview

Wie engagierst du dich derzeit? Hast du Projekte oder Ideen für die Zukunft?

Derzeit beteilige ich mich aktiv am entstehenden Inklusionskonzept der Universität Potsdam. Hierfür organisieren wir eine “Inklusive Kreativwerkstatt“, welche die Belange der Betroffenen stärker in den Mittelpunkt des Konzepts rücken soll. Abschließend werden wir im Herbst eine Podiumsdiskussion organisieren, in der Erfahrungen von Studierenden mit Beeinträchtigung beleuchtet werden und das Konzept von Politikern und der Unileitung diskutiert wird. Dann endet meine Zeit in Potsdam und ich bin gespannt, welche neuen Projektideen ich während des Masters im Ausland verfolgen kann. In Zukunft mit sozialem Engagement Geld zu verdienen wäre ein Traum!

Was können wir in unserem Alltag für Inklusion tun?

Inklusion funktioniert nur, wenn wir sie im Alltag leben. Dies erfordert das Engagement von allen. Kennst Du Menschen mit Beeinträchtigung? Ist der Weg in deine Uni, in dein Lieblingscafé oder deine Haltestelle barrierefrei? Ist Inklusion im Alltag für dich ganz normal? Werde dir der Situation in deiner Umgebung bewusst und schaue gezielt, was du mit kleinen Schritten, auch in Zusammenarbeit mit örtlichen Projekten, verändern kannst. Manchmal reicht es deine Lieblingsbäckerin freundlich darauf hinzuweisen, dass vielleicht eine Rampe zu ihrer Eingangstür profitabel für alle wäre. In Deutschland hat jeder Mensch das Recht, dabei zu sein. Inklusion ist letztendlich eine Frage der Haltung. Was wir tun können, ist also Farbe zu bekennen.

Was möchtest du jungen Menschen mitgeben?

Mut zur Veränderung! Geh mit offenen Augen durch die Welt, versteh, was dir wichtig ist, und engagiere dich genau dafür. In Deutschland haben wir zahlreiche Möglichkeiten auf Missstände hinzuweisen und uns politisch zu engagieren, sogar etwas zu verändern. Starte eine Petition, ein kleines Projekt in der Schule oder teile deine Erfahrungen einfach mit deinen Mitmenschen. Nutze die zahlreichen Möglichkeiten, die uns die heutige Welt gibt! Aber auch Mut und eine Portion Offenheit um andere Menschen kennenzulernen und ihnen zuzuhören. Durch mein Engagement habe ich beeindruckende Menschen kennengelernt, die mich inspiriert sowie motiviert haben und von denen ich vor allem eine Menge gelernt habe. Jeder von uns ist einzigartig und wertvoll, glaub an dich und deine Kraft zur Veränderung!

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